Digitale Spuren im Internet

Digitaler Nachlass – Was passiert mit Daten nach dem Tod?

Posts auf Facebook, Tweeds auf Twitter, Fotos auf Flickr, Videos auf Youtube, Einkäufe in Webshops, Nachrichten auf E-Mail Konten. Stirbt ein Mensch, hinterlässt er zahlreiche digitale Spuren. Was aber soll nach dem Tod mit diesen Inhalten passieren? Wer hat Zugriff darauf? Wo bekommen Erben die Zugangsdaten?

Unklare gesetzliche Bestimmungen

In Österreich gibt es keine klare Regelung wie mit dem digitalen Nachlass wie zum Beispiel E-Mail Konten umgegangen wird. Zudem haben die meisten Anbieter digitaler Dienste ihren Firmensitz im Ausland und unterliegen damit dem jeweiligen Landesgesetz. So kann es durchaus sein, dass das E-Mail Konto zwar vom Erben übernommen werden kann, die bisherigen Nachrichten aber aus Persönlichkeitsrechten nicht eingesehen werden dürfen.

Bericht auf Puls4

Viele Plattformen mit eigenem Prozedere

Die meisten Internetplattformen haben eine individuelle Vorgangsweise für den Fall, dass ein User stirbt. Bei Facebook etwa können die Erben das Profil löschen lassen oder in einen Gedenkzustand versetzen. Dann bleibt der Inhalt erhalten, ist aber nur für unmittelbare Freunde einsehbar (Quelle: Facebook).

Google wiederum bietet ein „Kontoinaktivitätsmanagement“ an. User können einen Zeitraum definieren, indem man sich einloggen sollte. Tut man das nicht, wird automatisch eine Nachricht z.B. mit den Zugangsdaten an definierte Kontakte geschickt. Wer will, kann sogar die automatische Löschung des Kontos nach Ablauf des Zeitraums einstellen.

Die ISPA (Internet Service Providers Austria) hat eine Liste mit Infolinks für die populärsten digitalen Plattformen erstellt.

Schwierigkeiten durch Aufzeichnungen verhindern

Am besten vermeidet man Schwierigkeiten indem man zu Lebzeiten alle wichtigen Zugangsdaten aufzeichnet. Entweder auf Papier in einem Dokumentenordner oder beim Notar. Oder digital zum Beispiel mit Hilfe einer Software für Passwortmanagement.

Eine solche Software ist das kostenlose Programm „Keypass“. Sie können alle Zugangsdaten und Passwörter z.B. auf einem USB-Stick speichern und mit einem Master-Passwort sperren. Den USB Stick und das Master-Passwort hinterlegen Sie in der Dokumentenmappe oder beim Notar.

Folgende Zugangsdaten und Informationen sollten Sie aufzeichnen:

  • E-Mail Konten
  • Soziale Netzwerke wie Facebook
  • Fotodienste wie Flickr
  • Instant Messenger
  • Online-Banking, Paypal, Kreditkarten-Login
  • Kundenkonten auf Online-Shops
  • Eigene Blogs und Websites
  • Foren auf denen Sie aktiv sind
  • Softwarelizenzen, iTunes und andere digitale Medienkonten

Es gibt auch Online-Dienste die ein Passwortmanagement anbieten z.B. passwordbox.com. Allerdings gibt es hier ein Restrisiko, da die Daten einem Dritten anvertraut werden. Auch im Falle eines Konkruses des Serviceanbieters könnte es zu Problemen kommen.

Was tun, wenn es keine Aufzeichnungen gibt?

Stirbt ein Angehöriger ohne einen digitalen Nachlass zu hinterlassen, dann ist Detektivarbeit angesagt. Am besten man beginnt mit einer einfachen Google Suche mit dem Namen des Verstorbenen. So findet man zum Beispiel Facebook Profil, Twitter Account oder eigene Websites.

Eventuell sind die Zugangsdaten auf dem Rechner des Verstorbenen gespeichert. Dieser geht nach Abschluß des Erbschaftsverfahrens in das Eigentum der Erben über. Gibt es einen Passwortschutz, können die Erben diesen z.B. bei einem EDV-Spezialisten aufheben lassen. Spezielle Dienstleister analysieren die Browseraufzeichnungen und sprüfen auf diese Weise Online-Konten auf.

Hat man die Profile gefunden dann kann man als Rechtsnachfolger die jeweiligen Plattformen direkt kontaktieren.

Halten Sie folgende Unterlagen bereit (eventuell in englischer Übersetzung):

  • Vollständiger Name des Verstorbenen
  • Link zum betroffenen Profil
  • Geburts- und Sterbeurkunde
  • Eintantwortungsurkunde (= Rechtsnachfolge)
  • Eigene Kontaktdaten